Ein Sketch in 2 Akten und einem Prolog
Akteure
Sokrates, Ödipus (Ödipussy, Ödem), Erzähler
Erzähler:
„Im folgenden Sketch werde ich Euch präsentieren, wie man das Orakel von Delphi, Philosophie, Nachrichten, Chateau de Rothschild, Sokrates, Buddha, den Apokryphen des Johannes, Ödipus, den BDM und 3 Küchensiebe unter einen Hut bekommt.“
1. Akt
Sokrates in einer Toga gekleidet, angetrunken (leicht rote Nase), Bart, Halbglatze, voluminöser Bauch. In seiner Linken eine Buddha-Figur und seiner rechten ein Foto von Einstein haltend, in einem Garten. Man hört ein Wasserspiel. Im Hintergrund ist, hinter einer Hecke, ein Portal mit dorischen Pilastern zu erkennen.
Sokrates (leicht lallend und zu sich selbst):
„Alle Hühner sind sterblich. Sokrates ist sterblich. Alle Hühner haben zwei Beine. Sokrates hat zwei Beine. Dann bin ich also ein Huhn?!“
Er reißt erstaunt die Augen auf und kratzt sich kurz mit der Buddha-Figur am Kopf.
(Kurze Pause.)
Sokrates (lächelnd):
„Ja, ja. Gnothi Seauton. Erkenne dich selbst. Apollon, Apollon und du neunmalkluge Pythia.! Ha, ha, ha!“
Nachdenklich das Foto von Einstein in seinen Händen betrachtend, entfährt ihm ein Seufzer.
Sokrates:
„Zeit ist eine Illusion. Wenn auch eine hartnäckige!“
Langsam und versonnen nickend wechselt sein Blick zur Buddha-Figur.
Sokrates:
„Unsere Verabredung mit dem Leben findet im Gegenwärtigen Moment statt. Und der Treffpunkt ist genau da, wo wir uns gerade befinden.“
Kurze Pause
„Huch (sich kurz schüttelnd, wie, als würde ihm frösteln), da fühl ich mich doch gleich wie neu geboren.
Dazu fällt mir ein Zen Kōan ein: Wenn die Zeit eine Illusion ist und alles gleichzeitig stattfindet oder ist, wie kann dann eine Seele wiedergeboren werden?
2.Akt
Sokrates wie vorher. Ödipus in ähnlicher Toga, wie Sokrates.
Ödipus (Stimme aus dem Hintergrund):
„Sokrates, Sokrates. Ich muss dir was …“
Sokrates blickt auf, dem Rufer entgegen. Ödipus tritt ins Bild. Sokrates hebt beide Hände mit den Utensilien abwehrend gegen den Ankommenden.
Sokrates (Ödipus leicht verärgert unterbrechend):
„Halt, halt Ödem.“
Ödipus (leicht gereizt):
„Du sollst mich nicht immer Ödem nennen!
Ich heiße Ödipus oder wenigsten Ödipussy, wie meine Mutter, ähem, ich meine, meine Ehefrau mich ruft.“
Sokrates: (leicht unterdrückt):
„Ca… a su Madre.“
(freundlich entschuldigend)
„Ja, ja, schon gut. Ich meine ja nur. Wenn ich dich sehe, fällt mir immer gleich der BDM, der Bund deutscher Medien ein.“
Ödipus:
„Apropos! Ich muss dir eine Geschichte erzählen!“
Sokrates (ihm wieder die Buddha-Figur und das Einsteinbild entgegen haltend und den Zeigefinger der rechten Hand erhebend):
„Nach meinen eingehenden und profunden Studien Siddharthas von Hermann Hesse und den Apokryphen des Johannes, habe ich ein Qualitäts-Kontroll-Tool entwickelt.“
Ödipus (erstaunt und überrascht):
„Ahso?!“
Sokrates:
„Das wird noch in mehr als 2.000 Jahren von all jenen benutzt werden, die der Öffentlichkeit Nachrichten feil bieten.“
Ödipus (weiterhin erstaunt und überrascht):
„Ahso?!“
Sokrates (sich etwas stolz, leicht in die Brust werfend):
„Ich nenne es; Die drei sokrat’schen Siebe.“
Ödipus (anerkennend mit dem Kopf nickend und lang gezogen):
„Ahhh, sooo!“
Sokrates (enthusiastisch):
„Wir können gleich mal, anhand deiner Geschichte, die Probe auf’s Exempel machen.“
Ödipus (nicht mehr ganz so anerkennend mit dem Kopf nickend):
„Ahhh … hmmm, .. soo?! … Aber beeil dich. Meine Mutter, äh … meine, … meine, ääh, Ehefrau wartet mit dem Mittagessen.“
„Roulade mit Rotkohl, Klößen und Zaziki-Salat. Genau das richtige bei diesem täglichen Klimawandel. (verdreht dabei genießerisch die Augen und schiebt etwas enttäuscht hinterher). „Zu trinken gibt es nur Zitronen-Limonade. Wein darf ich nicht. Hat mir meine Mu… ääh, Ehefrau verboten. Du weist schon, mein Magen und,… sagt sie, … wenn ich zu viel habe, dann nenne ich sie immer Mammi. Das macht ihr ansich nichts aus, aber wenn die Angestellten das hören, sei ihr das unangenehm,… sagt sie. Das mache sie so viel älter, als ich, sagt sie.“
(winkt schüchtern ab und ein unsicheres Lächeln huscht kurz über sein Gesicht.)
„Jedenfalls, wenn ich zu spät komme, dann streicht sie mir den Zaziki-Salat.“
Sokrates (genervt die Augen nach oben verdrehend und andeutungsweise durch die geschlossenen Zähne pressend):
„Ca… a su Madre.“
(dann, freundlicher und lauter)
„Also, das erste Sieb. Das erste ist die Wahrheit. – Hast du alles, was du mir erzählen willst, geprüft, ob es wahr ist?“
Ödipus (leicht verunsichert):
„Hmmm, nööö?“
Sokrates (kritisch den Kopf hin und her wiegend):
„So gut. So schlecht.“
Ödipus (leise, durch die Zähne pressend):
„Ca… a su Madre.“
Sokrates (die Augenbrauen nach oben ziehend und immer noch den Kopf wiegend):
„Dann das zweite Sieb: Es ist das Sieb der Güte. Ist das, was du mir erzählen willst, gut?“
Ödipus (sich feixend eine Hand vor den Mund haltend):
„Hahaha. Nö. Im Gegenteil.“
Sokrates (wieder kritisch den Kopf hin und her wiegend):
„So gut. So schlecht.“
Ödipus (seine Augen kurz erstaunt aufreißend und dann wieder leise durch dich Zähne pressend):
„Ca… a su Madre.“
Sokrates (entspannter Gesichtsausdruck):
„Und nun noch das dritte Sieb: Ist es wichtig, dass du mir das erzählst? Oder anders gefragt: Entsteht mir, wenn ich die Geschichte nicht höre irgend ein körperlicher Schaden, oder ein anderes Leid?“
Odipus:
„Nööö. Warum?“
Sokrates (erleichtert und sich aufrichtend):
„Dann behalte deine Geschichte für dich. Ich wünsche dir guten Appetit und grüß deine Mutter von mir.“
Ödipus (trotzig mit einem Bein auftrampelnd):
„Na gut. Dann erzähle ich dir die neuesten Nachrichten eben nicht. Und außerdem: Zu aller erst ist sie meine Ehefrau.!“
Geht ab.
Sokrates (gähnend und sich streckend):
„Ich werde mich jetzt in ein Glas Chateau de Rothschild und in die Offenbarungen des Jakob Lorber vertiefen.
Oder besser noch, ich werd den ziemlich hohen Preis für Schierling ausnutzen und noch ein wenig auf den Markt gehen, um die Jugend zu verderben.“
Lächelt und geht ab.

