„Kühner, als das Unbekannte zu erforschen, kann es sein, das Bekannte zu hinterfragen.“
(Alexander von Humboldt)
Im ersten Teil dieses Gesprächs ließ ich mir von der KI die nüchterne, wissenschaftliche Herkunft von Atlantis und Lemuria erklären. Platon. 360 vor Christus. Eine literarische Erfindung. Sclater. 1864.
Die offizielle Lesart.
Dann stellte ich eine andere Frage:
„Mal hypothetisch angenommen, Du wärst ein Vertreter der Theorie, dass Atlantis wirklich existiert habe. Was würdest Du zur Unterstützung Deiner Hypothese anführen?“
Die Antwort der KI
Die KI lieferte sieben Argumente. Hier sind sie:
Argument 1
„Wenn ich hypothetisch ein Vertreter der Theorie wäre, dass Atlantis tatsächlich existiert hat, würde ich – im Geiste solcher Autoren wie Ignatius Donnelly („Atlantis: The Antediluvian World“, 1882) oder moderner Atlantisforscher – folgende Argumente anführen:
Die Präzision und Detailtreue von Platons Bericht
Ich würde betonen, dass Platon keineswegs nur eine vage Allegorie, sondern ein sehr konkretes Szenario beschreibt: Er nennt genaue geografische Angaben („vor den Säulen des Herakles“ – also der Straße von Gibraltar), konkrete Maße für die Stadt (Durchmesser des Hauptrings ca. 11 km), Angaben zu Flora, Fauna, Rohstoffen (u. a. das mysteriöse „Orichalkum“) und sogar Details zur sozialen und politischen Organisation. Ein reiner „Mythos“ wäre nach dieser Lesart nicht so überraschend sachlich gehalten.“
Argument 2
„2. Die Behauptung der authentischen Überlieferung
Platon lässt Kritias betonen, dass die Geschichte nicht frei erfunden sei, sondern auf einer alten ägyptischen Quelle beruhe, die Solon bei seinem Aufenthalt in Sais (Nildelta) gehört habe. Die ägyptischen Priester hätten Solon gesagt, dass die Griechen nur eine „junge“ Erinnerung an die Geschichte hätten – die Ägypter hingegen bewahrten Aufzeichnungen über Atlantis über 9.000 Jahre auf. Warum sollte Platon diese Echtheitsbehauptung so detailliert einflechten, wenn er nur eine politische Utopie konstruieren wollte?“
Argument 3
„3. Der Katastrophismus als historisches Prinzip
Ich würde argumentieren, dass die Geschichtswissenschaft lange Zeit ein zu starkes uniformitaristisches Denken („die Gegenwart ist der Schlüssel zur Vergangenheit“) angewandt habe. Heute wisse man jedoch, dass es in der Erdgeschichte wiederholt katastrophale Ereignisse gab: den Ausbruch des Santorin (Thera) um 1600 v. Chr., die Storegga-Rutschung vor Norwegen, den Ausbruch des Krakatau oder das jüngere Dryas-Ereignis. Ein großes, binnen eines „furchtbaren Tages und einer Nacht“ versinkendes Inselreich sei daher nicht physikalisch unmöglich.“
Argument 4
„4. Die These des „echten Kerns“ in vielen Flutmythen
Fast alle Hochkulturen der Erde – Mesopotamien (Gilgamesch-Epos), China (Kaiser Yu), Indien (Manu), Israel (Noach), Griechenland (Deukalion), Polynesien, die Azteken, die Maya – kennen eine große Flutkatastrophe. Ein Vertreter der Atlantis-These würde sagen: Es ist unwahrscheinlich, dass alle diese Kulturen unabhängig voneinander dieselbe Geschichte erfunden haben. Viel plausibler sei ein gemeinsames, tatsächliches Ereignis – etwa der Untergang eines atlantischen Archipels, der sich im kollektiven Gedächtnis der Menschheit erhalten habe.“
Argument 5
„5. Vage oder umstrittene „archäologische“ Hinweise
Ich würde mich auf einige umstrittene Funde berufen, die von Befürwortern als „atlantisch“ interpretiert werden:
Die Bimstein- und Strandablagerungen auf den Azoren (Teil des mittelozeanischen Rückens), die manche Forscher für Überreste eines katastrophalen Vulkanausbruchs halten.
Die verdächtigen Steinkreise und „Megalithstrukturen“ vor den Bahamas (die sog. Bimini-Road), die angeblich auf künstliche Bearbeitung hinweisen.
Die Entdeckung von Süßwassermuscheln im Meeresboden westlich von Gibraltar – als Hinweis auf ein ehemals trockenes Landgebiet.“
Argument 6
„6. Das Argument aus der Stille – oder besser: aus dem Missverständnis der Chronologie
Ein Verteidiger würde sagen: Kritiker werfen Platon oft vor, dass sein Datum (9.000 Jahre vor Solon, also ca. 9600 v. Chr.) viel zu früh für eine Hochkultur sei. Doch gerade das spreche für Atlantis: Denn die offizielle Archäologie beginne die Geschichte des Seefahrts und Ackerbaus viel zu spät. Die These einer vergessenen, hochentwickelten Zivilisation am Ende der letzten Eiszeit – als der Meeresspiegel um bis zu 120 m tiefer lag – sei durchaus ernst zu nehmen.“
Argument 7
„7. Die unwahrscheinliche Kontinuität reiner Erfindungen
Abschließend würde ich argumentieren: Wenn Platon Atlantis frei erfunden hätte – warum hat dann kein einziger antiker Autor diese Geschichte als reine Erfindung entlarvt? Auch Aristoteles, der sonst seinen Lehrer Platon kritisierte, hat angeblich (nach einem späteren Kommentar des Strabon) lediglich gesagt: „Der, der Atlantis versinken ließ, ließ auch den Dichter sterben“ – also kein klares Dementi, sondern eher eine ironische Bemerkung.“
Fazit der KI
„Kurzum: Als Vertreter der „Atlantis-real-existierte“-These würde ich nicht behaupten, einen goldenen Palast unter Wasser gefunden zu haben. Ich würde aber auf die ungewöhnliche Detailtreue Platons, die globale Verbreitung von Flutmythen, die Möglichkeit von katastrophalen geologischen Ereignissen und das Fehlen eines zwingenden Gegenbeweises verweisen.“
Sieben Perspektiven. Mehr nicht.
Dann fragte ich weiter:
„Mich würde interessieren, ob es bekannte unterirdische Megalithstrukturen gibt, deren Alter viel älter ist als die Kultur der Sumerer?“
Die Antwort führte mich nach Malta, in die Türkei und vor die Küste Japans.
Doch das ist der dritte Teil.
Teil 1: Von Atlantis, Lemuria und der ersten Frage
Teil 2: Was, wenn Atlantis wirklich existierte?
Teil 3 (folgt) | Teil 4 (folgt)

